Februar 2009

Gerts Buchtipp

Claassen Verlag, München 2007
ISBN-10 3546004159
ISBN-13 9783546004152
Als Anfang Februar 1943 die 6. deutsche Armee in Stalingrad kapituliert, bedeutete dies nicht nur die Wende im Zweiten Weltkrieg, für die Sowjets ist Stalingrad auch ein Wendepunkt in ihrem Verhältnis zu Diktatur und Terror. Mit großer Anteilnahme beschwört Wassili Grossman Episoden aus dem Kampf an der Wolga, erzählt vom Häftlingsleben und -sterben in deutschen KZ und in den sowjetischen Gulags, wobei die frappierende Verwandschaft von Nationalsozialismus und Sowjetregime offengelegt wird.

Ob der Physiker Strum, die weit verzweigte Stalingrader Familie Schaposchnikow, der in einem deutschen Lager inhaftierte Michail Mostowskoi, oder die deutschen und sowjetischen Militärs, Wissenschaftler und Bürger - Wassili Grossman hat die vielen Einzelschicksale zu einem groß angelegten Erzählkosmos verwoben, der trotz der Schrecken des Totalitarismus von der einen Hoffnung nicht lässt: der einfachen, menschlichen Güte, die selbst dann ihre Wirkung zeigt, wenn die äußeren Ereignisse gleichgültig und brutal über sie hinweggehen.


Wassili Grossmans Meisterwerk liegt nun endlich in einer vollständig ins Deutsche übertragenen Ausgabe vor - ein großes Werk der russischen Literatur, dessen tragisches Schicksal eng verbunden ist mit dem seines Autors.
"Sein Werk ist voller Fiktion:
Er führt Menschen und Schicksale zusammen, die die Geschichte nicht zusammenführte, die aber zusammengeführt, zusammengebracht werden mussten, um Sinn und Auseinandersetzung, Konflikte darzustellen, die die bloß akribische Geschichtsschreibung nicht bieten kann."
(Heinrich Böll in Die Fähigkeit zu trauern über Leben und Schicksal)

UND DOCH IST NICHT ALLES VERLOREN, SOLANGE ES DIE GÜTE GIBT - EIN JAHRHUNDERTWERK WIRD WIEDERENTDECKT.

Wasisili Grossmans Gesellschaftsepos über die Schlacht von Stalingrad ist eines der wichtigsten Werke der russischen Literatur - ein Meisterwerk von enormer erzählerischer Kraft, von tiefer Einfühlung in die Leiden der Opfer und einer umfassenden Erkenntnis über die Mechanismen hinter der Tragödie des 20. Jahrhunderts.



Gert Cramer     Januar 2009