Gerts Buchtipp

Kinderbuch-Tipp Belletristik-Tipp Sachbuch September 2009
Buchtipp Lienekes Hefte Verlag: Jacoby & Stuart 2009
144 Seiten
10 fadengebundene Hefte im
Schmuckschuber, 9 x 14 cm
# ISBN-13: 9783941087415
# ISBN-10: 394108741
19,95 €

Das jüdische Mädchen Lieneke van der Hoeden ist sechs Jahre alt, als deutsche Truppen 1940 die Niederlande besetzen. Als die Judendeportationen beginnen, beschließt die Familie unterzutauchen. Lieneke, die Jüngste von vier Geschwistern, kommt nacheinander bei verschiedenen Familien unter, die das Mädchen unter großer Gefahr für ihr eigenes Leben vor den Häschern der Nazis versteckt halten. Dabei nimmt sie verschiedene Identitäten an, mal katholisch, mal protestantisch. Natürlich vermisst Lieneke ihre Familie, ist traurig und fühlt sich allein. Bis eines Tages ein Brief ihres Vaters eintrifft. Insgesamt neun Briefe in Form kleiner Heftchen hat Jacob van der Hoeden seiner Tochter bis zur Befreiung der Niederlande heimlich zukommen lassen, um Lieneke das Gefühl des Verlassenseins zu nehmen. Jacob van der Hoeden und seine Kinder überleben und emigrieren nach Ende des Krieges nach Israel, wo Lieneke, inzwischen 75 Jahre alt, noch heute lebt.

Die Hefte In diesen wunderschön illustrierten Briefen erzählt der Tierarzt Jacob van der Hoeden fröhlich, leicht und hoffnungsfroh von den Dingen des Alltags, berichtet – verschlüsselt – über die Neuigkeiten der Familie und nimmt Anteil am Tun und Werden seiner Tochter. Die französische Schriftstellerin Agnès Desarthe hat die Heftchen im Kindermuseum Yad LaYeled in Israel entdeckt, und erzählt in einem zehnten Heft die Geschichte, die sich dahinter verbirgt, aus dem Blickwinkel der kleinen Lieneke. So sind die kleinen Hefte im Schmuckschuber nicht nur ein wunderbares, anrührendes Dokument des Widerstands, voller Poesie und väterlicher Zärtlichkeit, sondern auch ein geeignetes Mittel, um kleinen Kindern die Geschichte der Judenverfolgung im 2. Weltkrieg altersgerecht nahe zu bringen.

Gert Cramer     August 2009